3 . Tiff flüchtet aus dem Zoo
Als die Dämmerung einbrach, hörte Tiff unweit die Löwen knurren. Er bekam Angst. Was, wenn die Löwen nachts frei im Zoo herumstreiften? Tiff glaubte sich in höchster Gefahr. Er war alleine, er war hungrig, ihm war kalt und er war eine leichte Beute. Schaudern erfasste ihn. Wäre er doch nur nicht durch den Spalt geschlüpft. Aber jetzt war es zu spät.
Laut brüllte ein Löwe! Tiffs Herz tat einen Sprung und vor lauter Schreck hüpfte er auf und rannte, was das Zeug hielt. Er rannte und rannte, und hoch über ihm konnte er einen grossen Vogel kreisen sehen. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, wie der Vogel zum Sturzflug ansetzte. Geistesgegenwärtig schlug Tiff einen Haken. Der Raubvogel verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Tiff raste über die Wiesen, durch die Wälder, hechtete über Bäche und Flüsse, bis er müde wurde und seine Beinchen vor Anstrengung zitterten. Nein, er konnte nicht weiter, er war völlig erschöpft. Mit letzter Kraft schleppte er sich auf einen grossen Stein.
Auf dem Stein lag ein weiches Stück Stoff, Tiff wusste nicht, was es war, aber es war sehr fein und weich und ausserdem warm. Er kuschelte sich in dem feinen Gewebe ein und vergewisserte sich, dass keine Löwen oder Vögel in der Nähe waren. Er schaute sich um und stellte fest, dass er wohl schon ausserhalb des Zoos sein musste. Hier gab es keine Gehege, keine Kammern und keine Futterstellen. Nun gut, aus dem Zoo hinaus zu gehen, war zwar etwas gewagt, aber was hatte er heute nicht schon alles gewagt! Es war immerhin besser, als von den Löwen gefressen oder von den Adlern zerhackt zu werden. Der weiche Stoff bot ein gutes Versteck. Zwar hatte Tiff noch nichts gegessen, aber hier war er wenigstens sicher für die Nacht. Er grub sich in das Tuch ein, und schlief – erschöpft wie er war – bald schon ein.