107. Tiff, Bümp und Raw kommen im Dorf an
Es war bereits dunkel, als die Wandergruppe das Dorf erreichte. Überall sah man die schwachen, flackernden Lichter der Herdfeuer durch die Haustüren und Fenster schimmern. Als die Dorfbewohner merkten, dass Besuch gekommen war, traten sie vor die Türen, winkten der Wandergruppe zu und riefen die Neuigkeit zu den Nachbarn. Es dauerte nicht lange, da kam ihnen ein Mann entgegen gelaufen und begrüsste den lustigen Jungen und das rothaarige Mädchen herzlich. Raw bemerkte: „Sie kennen sich, ich glaube, das rothaarige Mädchen und der lustige Junge sind nicht zum ersten Mal hier.“ Der Mann begleitete die Gruppe zu einem Haus und sie traten in die Küche ein. Man setzte sich auf kleine Schemelchen ans Herdfeuer und begann sofort zu schwatzen. Der Träger packte derweil die Rücksäcke aus dem Korb und setzte sich dann dazu. „Und jetzt?“ fragte Tiff. „Keine Ahnung, komm, wir fragen den Vogel“, antwortete Bümp.
Der Vogel wartete auf einem Ast vor der Eingangstüre und die drei Freunde setzten sich unter seinen Baum. „Was ist jetzt los, kannst Du es herausfinden?“ fragte Raw. Der Vogel setzte sich lautlos auf die Türschwelle und lauschte. Dann kam er zu den drei Freunden zurück und berichtete: „Ich glaube, ihr werdet eine Weile hier bleiben. Ich habe nicht ganz alles verstand, es gibt Menschen, die ich besser verstehe, und andere, die ich kaum verstehe. Aber soviel ist sicher: Das rothaarige Mädchen und der lustige Junge werden mindestens ein paar Tage hier im Dorf wohnen.“ Tiff, Bümp und Raw waren gespannt. Wo würden sie schlafen? Draussen beim Vogel? „Bleibst Du auch?“ fragte Raw, und der Vogel wiegte den Kopf hin und her, bis er schliesslich antwortete: „Ich muss zwischendurch fort. Heute Nacht zum Beispiel, aber ich weiss ja wo ihr seid, und kann von Zeit zu Zeit nach Euch schauen. Wenn ihr Hilfe braucht, dann fragt das Huhn dort, es ist immer hier.“ -“Wo?“ fragte Bümp und schaute sich nach dem Huhn um. Der Vogel zeigte mit dem Schnabel unter eine der Bänke in der Küche und sagte: „Dort unten im Dunkeln sitzt es und brütet seine Eier aus. Es hat Euch schon bemerkt und fragt, ob ihr ihm ab und zu Gesellschaft leistet. Die Hühner sind normalerweise nicht im Haus, nur wenn sie brüten. Und weil sie sich dann kaum vom Fleck bewegen, wisst ihr auch immer, wo sie zu finden sind. Ich glaube, es ist ihm ziemlich langweilig.“
Die drei Freunde bedanken sich beim Vogel, der nun weiter fliegen wollte und krabbelten zu dem Huhn unter der Bank. Leise gluckste das Huhn: „Wie schön, dass ihr mich besuchen kommt, dann bin ich hier nicht so alleine, kommt ihr könnt Euch an mich kuscheln, dann helft ihr gerade die Eier auszubrüten.“ Die drei Freunde schmiegten sich an die weichen Federn des Huhns und waren sehr stolz, dass sie Eier brüteten. Sie erzählten dem Huhn von ihrer Reise und von ihren Abenteuern und das Huhn war überglücklich und dankbar für die Unterhaltung.
Es wurde spät und einer nach dem andern gingen die Menschen schlafen. Auch Tiff und Bümp waren bereits eingeschlafen. Nur Raw unterhielt sich noch leise mit dem Huhn und beobachtete dabei die Glut des Feuers, die immer kleiner wurde. Langsam wurden die Läden der Fenster und Türen geschlossen, damit nachts keine Fremden ins Haus kommen konnten. „Ist es normal“, fragte Raw, „dass die Haustüre direkt in die Küche führt?“ Und das Huhn nickte und antwortete: „Hier sind alle Häuser so gebaut. Es gibt viele Häuser, die nur aus einem einzigen Raum bestehen, mit zwei Türen.“ Mitten in der Unterhaltung streckte das rothaarige Mädchen den Kopf unter die Bank, um zu schauen, ob es den drei Freunden gut gehe. Raw winkte ihm zu und das Mädchen reichte ihr den grünen Seidenschal, in dem die drei Freunde schon so oft geschlafen hatten. Welch ein aufregender Tag das doch gewesen war. Raw deckte Tiff, Bümp und sich selbst mit dem Schal zu, das Huhn lehnte dankend ab, denn es war ihm ohnehin schon zu heiss. Leise gluckste das Huhn: „Morgen, wenn es wieder hell ist, könnt ihr Euch das Haus und den Garten anschauen. Ihr könnte meine Freunde im Dorf besuchen gehen und mir dann berichten, wie es ihnen geht.“ Raw war äusserst neugierig. Wie würde das Dorf bei Tage aussehen? Würde es auch so viele Menschen haben, wie in Kathmandu? Langsam schlief Raw ein, während das Huhn noch eine Weile wach blieb und sich über den Besuch freute.