159. TiFF, Bümp und Raw treffen die goldenen Ameisen
Tiff, Bümp und Raw schlenderten durch den Kristallgarten. Das Licht hier war ausserordentlich hell und immer wieder mussten sie die Augen zusammenkneifen, weil sie von funkelnden Reflexionen geblendet wurden. Schliesslich meinte Raw: „Laufen wir überhaupt noch in die richtige Richtung? Ich kann den Berg mit der leuchtenden Kuppe gar nicht mehr sehen durch all dieses Gefunkel hindurch.“ Aber Bümp antwortete vergnügt: „Immer der Nase nach, immer der Nase nach.“ Raw schaute ihn etwas zweifelnd an und knurrte: „Man kann aber nichts riechen, keinen Weg, keine Tiere, keine Menschen, keine Pflanzen. Wie soll man denn da der Nase nach gehen. Überhaupt, wart ihr schon einmal an einen so geruchslosen Ort?“ Tiff kicherte und sagte: „Es muss doch nicht immer alles grad stinken wie Kuhfladen in der Mittagssonne!“ Aber Raw bestand darauf: „Ich habe eine äusserst feine Nase. Ich rieche fast alles. Und das hier riecht nach gar nichts. Ich könnte Dir nicht sagen, ob wir im Kreis laufen.“ Eine Weile lang schnüffelten die drei an den seltsamen Kristallgebilden und selbst Tiff fiel auf, dass sie keinen Geruch hatten.
Ganz plötzlich war der Kristallgarten zu Ende und die drei Freunde standen in einem Wald. Raw schwappte der Waldgeruch wie eine Ohrfeige entgegen und sie sprang erschrocken rückwärts wieder in den Kristallgarten hinein. „Seltsam“, bemerkte Bümp, „diese Kristalle enden sehr abrupt, wie eine Mauer und dann fängt dieser Wald an.“ Nun gut, wenigstens konnte man in der Ferne die leuchtende Bergkuppe sehen und sie waren noch immer auf dem richtigen Weg. Sie liessen den seltsamen Kristallgarten hinter sich und Raw gab Tiff das kleine Kristallstück, das sie abgebrochen hatte: „Kannst Du es mit Deinem Schwanz festhalten? Ich würde es gerne als Andenken mitnehmen.“ Also schnappte Tiff das Kristallstücklein mit seinem Schwanz uns sie spazierten durch den Wald. „Seht mal“, sagte Tiff und zeigte an einem der Bäume hoch, „goldene Tannenzapfen“. Sie spazierten weiter und schliesslich sah Raw einen Eichelbaum. „Ah, die Eicheln sind auch aus Gold“, bemerkte sie. Bümp interessierte sich mehr für das Kleintier auf dem Boden: „Schaut mal, selbst die Ameisen sind aus Gold.“ Tatsächlich, sie passierten soeben eine Ameisenstrasse und alle kleinen Ameisen waren golden. Das war jetzt aber doch etwas, dass sie noch nie gesehen hatten und Tiff schnüffelte an den Ameisen: „Sie riechen nach nichts“, kommentierte er.
„So eine Frechheit!“ – „Ungeheuerlich!“ – „Banausen!“ riefen die Ameisen wild durcheinander und sofort gab es einen Stau in der Strasse. „Wir riechen nach nichts, sagt er“, sagten die einen. „Lauft weiter es gibt eine Blockade“, sagten die andern. „Auf keinen Fall, er soll es erst erklären“, antworteten die andern. Nun war das Chaos perfekt, orientierungslos liefen die Ameisen durcheinander und verstreuten sich um Tiff, Bümp und Raw. Es gab ein Zetern und Schreien: „Weg verloren!“ – „Wo seid ihr?“ – „Links oder rechts?“ – „Warum sagt er auch so was.“
Tiff, Bümp und Raw sahen sich fragend an. Bümp meinte: „Ich dachte immer Ameisen orientieren sich am Geruch.“ Aber Raw sagte spöttisch: „Wie denn, wenn sie nach nichts riechen.“ Das rief wieder ungeheure Empörung und den Ameisen hervor. Tiff versuchte die Ameisen zu beruhigen. „Also, meine Nase ist nicht so sehr fein“, sagte er mit einem Augenzwinkern, „ihr riecht wunderbar nach, nach…, nach…“ Raw raunte ihm ins Ohr: „Gold, sag Gold.“ – „…nach Gold, ja nach Gold“, sagte Tiff erleichtert. Die Ameisen murmelten zustimmend: „Natürlich, nach was denn sonst.“ Tiff, Bümp und Raw waren etwas ratlos und Tiff flüsterte Raw ins Ohr: „Sag mal, wie riecht denn Gold?“ Und Raw antwortete leise: „Ich weiss es nicht genau, irgendwie nach Metall, aber es scheint ja dann zu stimmen.“ Tiff, Bümp und Raw versuchten unauffällig zu schnuppern. Ja, es lag ein ganz zarter Metallgeruch in der Luft. Vielleicht roch Gold so, aber alle drei hatten den Eindruck, dass der Geruch nicht von den Ameisen kam, sondern aus den tiefen des Waldes heraus.
Langsam begannen die Ameisen sich wieder zu organisieren und im Vorbeihuschen riefen sie den drei Freunden zu: „Wenn Ihr unserer Strasse folgt, gelangt ihr zu unserem wunderschönen Haus aus Gold im Zentrum des Waldes. Kommt, wir laden Euch zum Essen ein!“